Sonntag, 22. November 2009

Unsere Zukunft nach der Finanzkrise

Einleitung: Welche Fragen müssen wir uns heute stellen?

Wie geht es mit unserer Wirtschaft weiter? Wie sicher sind unsere Ersparnisse? Wie stabil ist unsere Währung und unser Bankensystem?

Warum hat keiner der sogenannten „Mainstream-Ökomomen“, der Wirtschaftsweisen, also der Vertreter der heute herrschenden volkswirtschaftlichen Schule (Makroökonomie, Neoklassik) diese Krise vorhersehen können?

1. Die Österreichische Schule

Die einzigen die die jetzige Weltwirtschaftskrise vorhergesagt haben, waren die Ökonomen der sogenannten Österreichischen Schule der Nationalökonomie, die schon 1928 den Zusammenbruch der Börsen am „Schwarzen Freitag“ im Oktober 1929 und das Platzen der US-Immobilienblase im Jahre 2007 als Auftakt zum Börsencrash 2008 als einzige vorhergesagt haben. Ähnlich wie heute war die wirkliche Ursache für die Weltwirtschaftskrise ab 1929 die inflationäre Geldpolitik der US-Zentralbank, die die Geldmenge zwischen Juli 1922 und Juli 1929 um insgesamt 61,8 % erhöhte, wodurch ein Boom der Kapitalgüterindustrie mit stark steigenden Aktienkursen ausgelöst wurde. Technisch wurden die Kurseinbrüche am „Schwarzen Freitag“ durch Panikverkäufe vieler Privatanleger aufgrund eines neuen Finanzprodukts ausgelöst, nämlich kreditfinanzierte private Aktienkäufe. Als die „Fed“ die Leitzinsen erhöhte und die Kredite nicht mehr bedient werden konnten, mussten die Anleger ihre Aktien zu jedem Kurs verkaufen, wodurch eine Kettenreaktion entstand.

Zurück zur Österreichischen Schule. Wer oder was ist die Österreichische Schule der Nationalökonomie?

Lassen Sie mich dies in wenige Worte fassen, um den Rahmen dieser Veranstaltung nicht zu sprengen:

Vielleicht sollte man zunächst die heute gängigen Lehrmeinungen in der Volkswirtschaftslehre nennen, um die Unterschiede aufzuzeigen:

Die sogenannte Makroökonomie versucht mit Aggregaten, also theoretischen Größen wie z.B. Volkseinkommen, Konsum, Sparen, Investitionen etc., gesamtwirtschaftliche Zusammenhänge in Modellen zu erklären. Bei unkritischem Gebrauch dieser Aggregate, die nur abstrakte Kunstgrößen sind, kann es aber zu erheblichen Realitätsverlusten und zum Verlust der Fähigkeit der Ökonomie kommen, der Praxis nützliche Dienste zu leisten. Ich sage, menschliches Handeln – und nichts anderes ist Wirtschaften – kann nicht in fixen Rechenformeln oder mit Statistik erklärt werden. Das eigentliche Verständnis für volkswirtschaftliche Vorgänge kann nur aus der Analyse des Handelns der einzelnen Menschen erfolgen, wie dies die Mikroökonomie, besonders die der Österreichischen Schule seit Langem leistet. Die wichtigsten Vertreter der Österreichischen Schule sind:

Carl Menger (1840 – 1921)
Eugen von Böhm-Bawerk (1851 – 1914)
Friedrich von Wieser (1851 – 1926)
Ludwig von Mises (1881 – 1973)
Friedrich August von Hayek (1898 – 1992)
Fritz Machlup (1902 – 1983)
Hans F. Sennholz (1922 – 2007)
Murray N. Rothbard (1926 – 1995)
Israel M. Kirzner (geb.: 1930)
George Reisman (geb.: 1935)
Pascal Salin (geb.: 1939)
Hans-Herrmann Hoppe (geb.: 1949)
Jesús Huerta de Soto (geb.: 1956)
Guido Hülsmann (geb.: 1966)

Ludwig von Mises ist sicherlich der berühmteste und bedeutendste Vertreter der Österreichischen Schule, manche sagen, der bedeutendste Ökonom überhaupt.

Mises wurde 1881 in Wien geboren und war Schüler von Prof. Eugen von Böhm-Bawerk, damals österreichischer Finanzminister.

Seine Werke, wie bereits seine frühe Habilitationsschrift: „Theorie des Geldes und der Umlaufmittel“ von 1912 sind Meilensteine der Nationalökonomie. In seinem Frühwerk liefert von Mises erstmals eine echte Analyse des Phänomens Geld als Warengeld, dessen Nachfrage (also Wert) durch seine (gestrige) Kaufkraft bestimmt wird.

Von Mises sagte in seinem Werk „Die Gemeinwirtschaft“ bereits 1922 den Zusammenbruch des real existierenden Sozialismus (damals nur sowjetischer Prägung) voraus.

1927 gründet von Mises das Österreichische Konjunkturforschungsinstituts, gemeinsam mit seinem Schüler Friedrich August von Hayek, der 1974 den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften erhält.

Die Weltwirtschaftskrise 1929 konnte von Mises deswegen so genau vorhersagen, weil er als einziger eine realistische Theorie der durch Inflation künstlich ausgelösten Konjunkturzyklen entwickelt hatte, die auch die heutige Krise punktgenau erklärt. Ich komme später darauf zurück und werde aus einer Vorlesung von Professor von Mises zitieren, weil seine Ausführungen sehr anschaulich und für jedermann verständlich sind.

In seinem Hauptwerk: „Die Nationalökonomie“ (1940) (erweiterte englische Fassung: Human Action (1949)) entwickelte von Mises die Ökonomie deduktiv. Er leitete also Erkenntnisse des Einzelfalls anhand allgemeiner Gesetze ab. Von Mises begegnet großen ökonomischen Problemen mit rein theoretischen (nicht empirischen) Analysen. Dieser mikroökonomische Theorienansatz, (auch methodologische Individualismus) durchzieht sein ganzes Werk. Mises nennt dies Praxeologie oder Theorie vom menschlichen Handeln.

Die Österreichische Schule verlässt sich somit nicht auf statistische Erhebungen sondern auf logische, gewissermaßen mathematische Schlussfolgerungen. Logik sticht also Beobachtung, was man auch anhand vieler a-priori-Sätze aus der Mathematik kennt:

„Die kürzeste Verbindung zwischen zwei Punkten auf einer Ebene ist eine Gerade.“

Die Beispiele der von der Österreichischen Schule erkannten, nicht widerlegbaren ökonomischen Gesetze lauten z.B. folgendermaßen:

Es kann nur der Teil als Kredit vergeben oder investiert werden, der dem selben Anteil an zuvor angespartem Kapital entspricht.

Produktion muss dem Konsum vorausgehen. = Was jetzt konsumiert wird, kann nicht wieder in der Zukunft konsumiert werden („You can’t have a cake and eat it“).

Preisfestsetzungen unterhalb des Markträumungspreises führen zu dauerhaftem Mangel.

Ohne Privateigentum an den Produktionsfaktoren kann es keine Faktorpreise geben, und ohne Faktorpreise ist eine Kostenrechnung unmöglich.

Steuern sind eine Belastung für Produzenten und reduzieren die Produktion unter das andernfalls erreichte Maß.


Warum erwähne ich heute die Erkenntnisse der Österreichischen Schule. Die Antwort lautet:

Wer die richtigen Rezepte zur Überwindung der Krise wissen will, muss sich zunächst mit den wahren Ursachen der Krise befassen:

Leider präsentieren nahezu alle Kommentatoren der elektronischen Medien und die Politiker aller Parteien falsche Erklärungsmuster, teils aus Unwissenheit, teils berechnend. Es wird von einer kollektiven Gier unersättlicher Spekulanten oder der Manager gesprochen und der angeblich böse Kapitalismus verantwortlich gemacht. Die Bundeskanzlerin zum Beispiel, spricht von der Notwendigkeit ein erneutes „Versagen des Marktes“ mit neuen international gültigen Regularien zu verhindern. Wer an das „Marktversagen“ als Ursache von Wirtschaftskrisen glaubt, müsste streng genommen auch vom „Versagen der Schwerkraft“ bei einem Flugzeugabsturz sprechen und nicht mehr von Pilotenfehlern oder Materialversagen.

Stimmt also die Annahme, dass ständige Auf- und Abschwünge unvermeidlich sind? Auch zu dieser Frage liefert Ludwig von Mises die ökonomisch richtige Erklärung:

„Das wiederkehrende Auftreten von Boom-Perioden mit nachfolgenden Depressions-Perioden ist das unvermeidliche Ergebnis der ständig wiederholten Versuche, den Marktzins durch Kreditexpansion zu senken. Es gibt eine Möglichkeit, den finalen Zusammenhang eines Booms zu verhindern, der durch Kreditausweitung erzeugt worden ist. Die einzige Alternative lautet: Entweder die Krise entsteht früher durch die freiwillige Beendigung der Kreditexpansion – oder sie entsteht später als finale und totale Katastrophe für das betreffende Währungssystem.“

Die internationale Finanzkrise ist zwar ein Problem für die Marktwirtschaft, aber nicht ein Problem der Marktwirtschaft:

Anders gesagt: Der Boom war das Problem, die Rezession ist die Lösung.

Welche Ursachen haben aber zum Boom und damit letztendlich zur Krise geführt?

Betrachten wir zunächst das heutige Bankensystem und vor allem die Rolle der staatlichen Zentralbanken.

2. Das System der Teilreserve (fractional reserve banking)

Unser gegenwärtiges Bankensystem ist als so genanntes System der Teilreserve zu charakterisieren und auch unter dem Begriff „Bank- und Zentralbanktechnik mit Mindestreserve-Vorschriften“ bekannt.

Dieses weltweit vorherrschende System wird zwar als konjunktureller Motor und unverzichtbarer Garant für Investitionen gerühmt, tatsächlich trägt das Teilreserve-Bankwesen aber zu einer gefährlichen Inflationierung der Volkswirtschaften, also zu Geldmengenausweitung bei:

Das auch heute noch in ähnlicher Form existierende internationale Weltwährungssystem wurde bekanntlich 1944 auf der Konferenz von Bretton-Woods erschaffen und durch die Einführung des Internationalen Weltwährungsfonds (IWS) und der Weltbank institutionalisiert mit dem Dollar als weltweiter Leitwährung. Am internationalen Kredit- und Währungsmarkt können dadurch nur die Nationen teilnehmen, die die Kriterien der Weltbank erfüllen. Das IWS-System und die Bankgesetze der betroffenen Staaten (z.B. das sogenannte Basel-II-Abkommen) sehen vor, dass die kreditgebenden Banken nur eine sehr geringe Reservehaltung vornehmen müssen, so dass für das ausgegebene Kreditvolumen weniger als 10 % an Eigenkapital gehalten werden muss. Bis zur Abschaffung der Golddeckung im Jahre 1913 in den USA und bei Ausbruch des Ersten Weltkriegs in allen europäischen Staaten, war eine Eigenkapitaldeckung von teilweise 50 bis zu 100 % gesetzlich vorgeschrieben.

Wie Inflation nach diesem System entstehen kann verdeutlicht ein einfaches Beispiel:

Ein Bargeldbetrag in Höhe von 10.000,00 Euro, der bei der Sparkasse hinterlegt wird, kann nach dem Mindestreservesystem zu ca. 90 %, also in Höhe von 9.000,00 Euro an den Kreditnehmer X weiter verliehen werden. Dieser Kreditnehmer X nutzt den Kredit in Höhe von 9.000,00 Euro zur Begleichung einer Rechnung des Handwerkers Y, der dieses Geld bei der Raiffeisenbank einzahlt. Bei der Raiffeisenbank entsteht somit ein Sichtguthaben von 9.000,00 Euro, das wie das ursprüngliche Barguthaben bei der Sparkasse in Höhe von 10.000,00 Euro behandelt wird. Auch die Raiffeisenbank kann wiederum ca. 90 % des 9.000,00-Eurobetrages als Kredit vergeben, so dass deutlich wird, wie das Mindestreserve-System zu einer unkontrollierten Inflationierung, also Geldmengenvermehrung führt ohne dass die entstehenden Geldbeträge durch Realwerte oder ausreichende Sicherheiten gedeckt wären. Der Zusammenbruch dieses Systems ist insbesondere dann unvermeidbar, wenn es zum so genannten Kassensturm kommt, also die Sparer in sehr großer Anzahl ihre Sparguthaben zur Auszahlung zurückfordern. Alle staatlich verordneten Schutzmechanismen, wie Einlagensicherungsfonds, staatliche Garantien und wechselseitige Unterstützungspflichten der Banken gaukeln leider nur eine allzu trügerische Sicherheit vor. Geht aber bereits eine einzige Großbank bankrott, kann diese alle anderen Banken mitreißen, wie in einer Kettenreaktion. Lehman Brothers lieferte den Beweis.

Politische Zauberlehrlinge am Werk:

Das größte Problem des Teilreservesystems besteht aber darin, dass die staatliche Erlaubnis, Kredite zu verleihen, denen keine ausreichende Eigenkapitaldeckung gegenüberstehen – und Sicherungsfonds gepaart mit Staatsgarantien zu unseriösen Handlungen und zum Eingehen unkalkulierbarer Risiken (auch Moral Hazard genannt = verantwortungsloser Wagemut) verleiten. Schließlich haftet niemand persönlich und am Ende springt der Staat ein.

Dazu passen auch die in der letzten und vorletzten Legislaturperiode von den Finanzministern Steinbrück und Eichel durchgesetzten Neuerungen der deutschen Finanzmarktpolitik. Im Januar 2006 legte dies Peer Steinbrück in einem von der Öffentlichkeit kaum beachteten Aufsatz in der Zeitschrift für das gesamte Kreditwesen unter der Überschrift „Was darf die deutsche Kreditwirtschaft von der neuen Bundesregierung erwarten?“ Heute stellt sich heraus, dass Gegenstand neuer wegweisender Zukunftsprojekte, die die Regierung vorantreiben wollte, genau jene Geschäfte sind, die nach heutiger Erklärung der selben Politiker die Finanzkrise ausgelöst haben: Den Banken wird in Aussicht gestellt, von „Eigenkapitalentlastungen zu profitieren.“ Des weiteren wird die Beseitigung gewerbesteuerrechtlicher Hürden bei „True Sale“-Verbriefungen angekündigt. Steinbrück hatte damals auch angekündigt, die Grenzen beim Erwerb von „Asset Backed Securities“, die sich später als sogenannte Schrottpapiere erwiesen, „in den Anlagebestimmungen von Versicherungen, Pensionsfonds und Investmentfonds zu überprüfen.“ Wären diese Ziele vollständig umgesetzt worden, hätten Millionen von Deutschen sogar ihre private Altersvorsorge verloren. Schon 2003 bestellte Hans Eichel bei der Boston Consulting Group Frankfurt ein Gutachten mit dem Thema: „Optimale staatliche Rahmenbedingungen für einen Kreditrisikomarkt/Verbriefungsmarkt für Kreditforderungen und –risiken in Deutschland“. Dieses Gutachten wurde in der Zeit der Großen Koalition Grundlage des Willens der Bundesregierung zur aktiven Förderung der Transaktionen und Wertpapiere, die die Krise technisch ausgelöst haben (Stichwort: Subprime-Krise, siehe unten).

3. Das Zentralbanksystem

Neben dem fractional reserve banking trägt auch der nicht marktgerechte, sondern künstlich festgesetzte Zentralbankzins zur Geldmengenvermehrung bei. Liegt der Zentralbankzins unterhalb des tatsächlichen Marktzinses, hat dies ein Überangebot an Krediten zur Folge, die unweigerlich zur Finanzierung risikoreicher und letztlich unrentabler Investitionen führen. Die Kredite können nicht mehr zurückgezahlt werden und führen in letzter Konsequenz zum Zusammenbruch der betroffenen Banken und Unternehmen. Der Zentralbankzins steuert das den jeweiligen Banken zur Verfügung stehende Kreditvolumen und trägt daher mit zur Inflationierung der Volkswirtschaften bei.

4. Stichwort Inflation: Das Papiergeldsystem

Wie entsteht darüber hinaus Inflation und was ist Inflation?

Hierzu wieder Ludwig von Mises:

„Eine Vermehrung der Geldmenge führt dazu, dass die Kaufkraft des Geldes sinkt und die Preise steigen. Das ist Inflation.“

Wie schon erwähnt, wurden spätestens zu Beginn des Ersten Weltkrieges die goldgedeckten Währungssysteme nahezu weltweit abgeschafft. Die gewaltigen Kriegslasten wären anderweitig nicht finanzierbar gewesen. Vor Abschaffung der goldgedeckten Währungen war das bis dahin im Umlauf befindliche Papiergeld nur ein Ersatz für Warengeld in Gestalt von Gold oder Silber. Eine Banknote hatte damals die Bedeutung eines Hinterlegungsscheins. Beispielsweise war die Deutsche Reichsbank bis 1914 jederzeit verpflichtet, an den Überbringer einer Banknote aus Papier den entsprechenden Wert in Gold auszubezahlen. Dieses System führte zu einer starken Preisstabilität, denn Geld (= Gold) war nicht beliebig vermehrbar. Die Erträge aus Gold- und Silberminen konnte nicht einfach gesteigert werden.

Was wurde aus dem Goldstandard?

1971 schafften die USA die letzte Goldbindung des Dollars ab. Präsident Nixon hob die Einlösegarantie des Dollars gegen Gold gegenüber den ausländischen Zentralbanken ab. Daraufhin verlor der US-Dollar innerhalb von 30 Jahren ca. 80 % seiner Kaufkraft.

Ludwig von Mises:

„Unter den heutigen technischen Bedingungen ist nichts leichter als Papierscheine herzustellen, auf denen gewisse Geldbeträge aufgedruckt sind. In den USA, wo alle Banknoten gleich groß sind, kostet es die Regierung den gleichen Betrag, ob sie nun einen Tausenddollarschein oder einen Eindollarschein druckt.“

Warum sind nicht goldgedeckte Papierwährungen für die jeweiligen Regierungen so attraktiv?

Sie ermöglichen eine massive Erhöhung der Staatsausgaben ohne unpopuläre Steuererhöhungen vornehmen zu müssen.

Zurecht werden Sie einwenden, dass es doch unabhängige Zentralbanken als „Währungshüter“ gibt. Die Zentralbanken sind aber keine Währungshüter, sondern Institutionen, die unter Ausschaltung der Wirklichkeit den Kreditzinssatz nicht als Marktpreis akzeptieren, sondern zentral planen. Die Höhe dieses Zinses war in der Vergangenheit immer zu niedrig, so dass stets Inflation die Folge war. Selbst die stabilitätsorientierte frühere Deutsche Bundesbank musste sich dem faktischen Druck der Politik und der Regierungen der übrigen Wirtschaftsnationen beugen und konnte nicht verhindern, dass die Deutsche Mark 50 Jahre nach ihrer Einführung nur noch 5 % der Kaufkraft hatte.

Das teuflische an der Inflation ist die ungerechte, ungleichmäßige Verteilung. Dazu wieder Ludwig von Mises:

„Wenn die Regierung statt Steuergelder neugedrucktes Geld für ihre Ausgabenwünsche verwendet, heißt das, dass einige Leute jetzt mehr Geld haben, während alle anderen immer noch gleich viel Geld haben wie zuvor. … Es gibt aber nicht mehr Güter als zuvor, aber mehr Geld. Und da es nun Leute gibt, die heute mehr kaufen können als gestern, wird eine zusätzliche Nachfrage für bestimmte Güter entstehen, wodurch die Preise steigen. Diese Tendenz zur Preissteigerung – und das ist das Wichtigste – entwickelt sich Schritt für Schritt. Es gibt nicht so etwas wie eine allgemeine, gleichartige Aufwärtsbewegung des sogenannten Preisniveaus. …
Wenn der Staat eine Inflation verursacht, weil er einen Krieg führen und deshalb Kriegsmaterial kaufen muss, dann sind die Rüstungsfabriken und die Arbeiter dieser Industriezweige die ersten, die das zusätzliche Geld erhalten. Diese Leute sind nun in einer sehr günstigen Lage. Sie haben höhere Gewinne bzw. höhere Löhne. Ihr Geschäft läuft gut. Warum? Sie waren die ersten, die das zusätzliche Geld erhielten. Und da sie nun mehr Geld zu ihrer Verfügung haben, kaufen sie mehr. Und zwar kaufen sie von anderen Leuten, nämlich jenen, die die Güter herstellen und verkaufen, die sie haben wollen. Diese Leute bilden eine zweite Gruppe… Der Restaurantbesitzer z.B., der seinen Betrieb in der Nachbarschaft einer Waffenfabrik hat, sagt: Es ist wirklich wunderbar. Die Rüstungsarbeiter haben mehr Geld…. Die Lage ist also folgendermaßen: Jene, die als erste das neue Geld erhalten, haben ein höheres Einkommen und können dadurch viele Güter und Dienstleistungen noch zu den alten, günstigeren Preisen kaufen, die am Vorabend der Inflation galten. … Aber es gibt auch andere Bevölkerungsgruppen, zu denen dieses zusätzliche Geld erst sehr viel später kommt. Diese Leute sind in einer ungünstigen Position… Die größten Nachteile aus der Inflation hatten die Pfarrer und die Lehrer.“ Heute also die Rentner, Beamten etc.

Inflation ist also ein monetäres Phänomen (Geldschöpfung), während Deflation (Stichwort: Kreditklemme) ein strukturelles Phänomen ist, weshalb Deflation (oder ganz allgemein: wirtschaftliche Krisen) nicht monetär bekämpft werden können. Das heißt: Deflation ist die Bereinigung vorausgegangener monetärer Sünden – und das Mittel der Deflation zum Zwecke der Bereinigung sind sinkenden Preise.

Betrachten wir also die Fehler im einzelnen, die zur Entstehung der Krise führten. Wie schon erwähnt, handelt es sich allgemein gesprochen um Inflation bzw. Inflationsphänomene:

5. Die US-Immobilienblase (Subprime-Krise)

Im Jahre 1938 wurde von Präsident Roosevelt die Federal National Mortgage Association (Fannie Mae) gegründet. Ziel dieser staatlichen Bank, die man etwa mit der Deutschen Kreditanstalt für Wiederaufbau vergleichen könnte, war es als staatlich geführtes und gestütztes Institut zinsgünstige Immobiliendarlehen für sozial schwache Personengruppen nahezu ohne Bonitätsprüfung zu vergeben, um den privaten Immobilienerwerb zu fördern. Der Tätigkeitsbereich von Fannie Mae wurde 1974 durch die Gründung einer zweiten staatlichen Bank (Federal Home Loan Mortgage Corporation, abgekürzt: Freddie Mac) mit dem selben Aufgabenbereich ergänzt (Marktwert vor einem Jahr, im übrigen: - 5,6 Milliarden US-Dollar). 1995 erlässt der US-Kongress das so genannte Community Reinvestment Act (CRA). Dieses Gesetz schreibt auch den privaten Geschäftsbanken vor, die Bonitätskriterien für die Kreditvergabe an einen als „sozial schwach“ definierten Personenkreis stark zu lockern, um den Immobilienerwerb für diese Personen zu erleichtern. Man spricht von tatsächlich sehr riskanten Darlehen an sogenannte NINJA-Kunden („No Income No Jobs No Asset“). Daher wurde dieser Markt für Hypothekendarlehen als Subprime-Markt, also als zweitklassig (suboptimal) bezeichnet. Diese zweitklassigen Hypothekendarlehen wurden zu allem Überfluss auch noch als verbriefte Wertpapiere auf die weltweiten Finanzmärkte gebracht.

Um nach dem Zusammenbruch der sogenannten New Economy, ausgelöst durch die sogenannte Dotcom-Blase (Internetboom Ende der neunziger Jahre) eine Rezession zu verhindern, begann die US-Zentralbank Federal Reserve nach dem 11. September 2001 mit einer Serie von insgesamt 13 massiven Leitzinssenkungen und steigerte auf diese Weise das Kreditvolumen und damit die Inflation, denn gleichzeitig wurde auch die Staatsverschuldung dadurch begünstigt.

Die zuvor beschriebenen Maßnahmen führten zunächst zu einer dramatisch gestiegenen Kreditvergabe an zahlungsschwache Privatinvestoren, die teilweise ohne jeglichen Eigenkapitalanteil in zunehmenden Maße Immobilien erwarben, was die Immobilienpreise in den USA rasant ansteigen ließ. Um Kreditmarktanteile zu halten, weiteten schließlich auch die privaten Geschäftsbanken ihre Kreditvergabe aus.

Die Deutsche Industriebank AG (IKB) gründet im Jahre 2002 die Zweckgesellschaft „Rhineland Funding Capital Corporation“ um außerhalb ihrer Bilanzen in den amerikanischen Hypothekenmarkt einsteigen zu können, der scheinbar ständig steigende Immobilienpreise verspricht.

Die eigentliche Finanzkrise beginnt bereit im Sommer 2007. Bereits im August 2007 bricht mit der Deutschen Industriebank AG (IKB) die erste (staatliche) deutsche Bank, mit einem Jahresverlust von etwa 700 Mio. € zusammen. Die Sächsische Landesbank muss, wegen ähnlich massiver Verluste ihrer Zweckgesellschaft auf dem US-Hypothekenmarkt, an die LBBW zwangsverkauft werden. Im Oktober 2007 meldet die amerikanische Citigroup Abschreibungen in Höhe von 55 Milliarden US-Dollar. Im Januar 2008 kündigt die WestLB einen Jahresverlust in Höhe von 1 Milliarde EUR an. Im März 2008 meldet die Bayerische Landesbank Verluste von bis zu 3,8 Milliarden EUR aufgrund von Fehlspekulationen auf dem US-Immobilienmarkt. Die IKB wird schließlich im August 2008 an die amerikanische Investitionsbank Lone Star verkauft. Der Gesamtverlust für den Steuerzahler wird zu diesem Zeitpunkt bereits auf ca. 10 Milliarden EUR geschätzt.

Der vorläufige Höhepunkt der Bankenkrise ist im September 2008 mit dem Zusammenbruch von Lehman Brothers in New York erreicht. Ein weltweiter Einbruch der Börsenkurse ist die Folge.

Betrachten wir die US-Immobilienblase nochmals genauer: Es war gerade kein Marktversagen, das zur Krise führte, vielmehr bereinigten die natürlichen Marktmechanismen die durch Inflation genährte Spekulationsblase: Die US-Politik hatte es wie immer nur gut gemeint: Billige Staatskredite sollten auch ärmeren Bevölkerungsschichten zum Eigenheimerwerb verhelfen. Diese Politik der ungezügelten Kreditausweitung führte zu einer künstlich genährten Nachfrage nach US-Immobilien, ohne dass reale Kapitalbildung stattgefunden hätte. Die Immobilienpreise in den USA schienen nur noch zu steigen.

Die Blase musste platzen als die Federal Reserve die diagnostizierte Inflation mit einer restriktiveren Geldpolitik, also Zinserhöhungen bekämpfte. Eigentlich müssten wir uns noch alle an die Preisrekorde im Sommer 2008 (Gas-, Benzin- und allgemeine Rohstoffpreisexplosionen) erinnern. Schon damals wollten uns bestimmte Politiker einreden, böse Spekulanten und finstere Konzernkartelle würden die Preisspirale zur Ausbeutung der Massen immer weiter nach oben schrauben. Die Preissteigerungen waren aber ausschließlich die Folge der oben beschriebenen Geldmengenvermehrung (Inflation). Die dadurch entwerteten Währungen mussten massive Kaufkraftverluste hinnehmen.

Nicht die Verbrauchs- und Rohstoffpreise stiegen, sondern Dollar und Euro verloren ihre Kaufkraft. In dieser Hochpreisphase investierten ahnungslose deutsche Staatsbanken, wie BayernLB, WestLB, IKB und LBBW munter weiter deutsche Steuergelder auf dem US-Immobilienmarkt. Dieser Markt musste durch die im Jahre 2006 begonnenen Zinserhöhungen der Federal Reserve letztlich zusammenbrechen, weil die dadurch ausgelöste Verteuerung der Hypothekendarlehen zum Bankrott der ersten Kreditschuldner führte. Wie bei einem Schneeballsystem entstand eine Kettenreaktion: Einkommensschwache Hauskäufer konnten Zins und Tilgung nicht mehr bedienen. Das Haus wurde zwangsversteigert. Durch die vielen notleidenden Hypothekendarlehen fiel nun aber der Wert der als Sicherheiten verpfändeten, aber mit „Blasenpreisen“ bewerteten, Eigenheime. Die Banken mussten die Darlehen wertberichtigen und gerieten dadurch bald in die Insolvenz. Die Finanzkrise war da. Der Markt ließ sich nicht länger mit billigen Krediten, Inflationsblasen und politischen Programmen täuschen, sondern warf alle Beteiligten sehr unsanft und schnell auf den Boden der Tatsachen zurück.

6. Was ist zu tun?

Erinnern wir uns an den Ausgangspunkt: Die Rezession ist nicht das Problem, sondern der Boom!

In der realen Welt (Marktwirtschaft) sorgen die Zinsen dafür, dass das Timing von Produktion und Konsumentenwünschen übereinstimmt. Der „natürliche Zins“ (Eugen von Böhm-Bawerk) drückt eine Übereinstimmung der Ressourcenallokation in den verschiedenen Stufen der Produktion einerseits und den gewünschten Verbrauchsmustern im Zeitablauf andererseits aus. Der Zins ist Ausdruck unterschiedlicher Zeitpräferenz. Sinkt die Zeitpräferenzrate, so steigen die Ersparnisse an. Der Trend geht weg vom Konsum, hin zum längerfristigen Handeln. Steigt die Zeitpräferenzrate (Ungeduld), ist dies gleichbedeutend mit zunehmendem Konsum. Die Verzinsung richtet sich also nach Angebot und Nachfrage in Bezug auf das gesparte Kapital. Zu wenig Liquidität (Kreditklemme) kann es in einer freien Wirtschaft unmöglich geben.

Gegenwärtig steuern wir auf einen neuen Crash zu. Die Krise wurde nicht überwunden, sondern durch neue, aus dem Nichts geschaffene Liquidität (Zirkulationskredite, da Kreditzinsen der Zentralbanken gegen Null tendieren) geschaffen. Der Auslöser eines neuen Zusammenbruchs kann in allen tatsächlich unrentablen, also subventionierten Branchen, z.B. im Bereich der erneuerbaren Energien, im Bereich des CO2-Immissions-Zertifikate-Handels (buchstäblich ein Handel mit heißer Luft) oder bei den US-Staatsanleihen auftreten. Der Wert des US-Dollars sank seit Januar 2001 im Austausch mit Gold um 73 %: Damals kostete eine Unze Gold ca. 270 US-Dollar, heute weit über 1.000,00 US-Dollar. Am wahrscheinlichsten ist eine deutliche Dollarabwertung, damit sich die USA mit ihren derzeitigen Rekordschulden (Staat: 9,1 Billionen US-Dollar, private Haushalte: ca. 15 Billionen US-Dollar) entschulden können.

An einer Währungsreform in den USA, einer Zinserhöhung und einer Verringerung der Liquidität führt also kein Weg vorbei.

Aber auch Europa steuert einer noch schwereren Krise entgegen: In nur neun Jahren hat sich die Geldmenge in Europa verdoppelt, 2000 betrug sie im Euroraum ca. 4,9 Billionen Euro, Ende 2009 bereits 9,7 Billionen Euro. Außerdem müssen wir sowohl in Europa (besonders betroffen Deutschland und Frankreich) ebenso wie in Japan die Fortsetzung das Phänomen der Stagflation (hohe Arbeitslosigkeit bei gleichzeitig hoher Inflation und geringem Wachstum) beobachten.

Das wichtigste zur Überwindung der Krise und zur Ausschaltung unnatürlicher Konjunkturzyklen ist die Stabilisierung der Währungen und der Abbau der Schulden in den öffentlichen Haushalten. Langfristig muss der Zugriff der Staaten auf die Zentralbanken abgeschafft und stabile Währungen durch feste Bindungen an den Goldstandard oder andere Realwerte wieder eingeführt werden.

Henry Hazlitt, langjähriger Wegbegleiter Ludwig von Mises sagt in seinem Buch „Economics in One Lesson“: „Die Kunst des Wirtschaftens besteht darin, nicht nur die unmittelbaren, sondern auch die langfristigen Auswirkungen jeder Maßnahme zu sehen; sie besteht auch darin, die Folgen jedes Vorgehens nicht nur für eine, sondern für alle Gruppen zu bedenken.“

Richtig wären also Langfristorientierung und Maßnahmen, die für alle gleichmäßig gelten, anstatt mit Abwrackprämien und Konjunkturprogrammen nur bestimmte Branchen zu bevorzugen. Schuldenabbau, Verringerung der Staatsquote, Streichung von Subventionen und Reduzierung sämtlicher Staatsausgaben sowie Steuersenkungen sind Schritte in die richtige Richtung:

Fazit: Die Regierung muss letztlich nichts tun, sie muss etwas lassen.

Dr. Thomas Jahn, November 2009.

Literatur:

- Ludwig von Mises: Theorie des Geldes und der Umlaufsmittel, Wien 1912
- Ludwig von Mises: Die Gemeinwirtschaft. Untersuchungen über den Sozialismus, Jena 1922
- Ludwig von Mises: Die Bürokratie (Bureaucracy), New Haven, 1944 (im Internet unter: http://docs.mises.de/Mises/Mises_Buerokratie.pdf)
- Ludwig von Mises: Human Action, Treaties on Economics, Chicago 1966
- Ludwig Erhard: Wohlstand für alle, Erstauflage 1957, Neuauflage Düsseldorf 2000
- Ludwig von Mises: “Vom Wert der besseren Ideen – sechs Vorlesungen über Wirtschaft und Politik”, München 2008 (Neuauflage der deutschsprachigen Erstausgabe von 1983)
- Friedrich August von Hayek: Der Weg zur Knechtschaft, Neuauflage München 2003
- Friedrich August von Hayek: Die Anmaßung von Wissen, Tübingen 1996.
- Franz Josef Strauß: Gebote der Freiheit, München 1980
- Roland Baader: Geld, Gold und Gottspieler, 2. Auflage, Gräfelfing 2005
- Guido Hülsmann: Die Ethik der Geldproduktion, Leipzig 2007
- Michael von Prollius: Die Pervertierung der Marktwirtschaft, München 2009.
Anmerkung des Autors: Dieser Vortrag (gehalten am 18.11.2009) enthält aus Zeitgründen und aus Gründen der besseren Verständlichkeit einige Vereinfachungen von ansonsten sehr komplexen volkswirtschaftlichen, insbesondere monetären Phänomenen.

Montag, 16. November 2009

Lexikon der Gegenstandpunkte – heute: K wie Konsum, der Tanz um das goldene Kalb

Immer wieder hört man die Behauptung, in der Wirtschaftskrise, die so vielen Unternehmen Absatzschwierigkeiten für ihre Produkte bereitet, müssten sich Staat und Bürger angeblich „antizyklisch“ verhalten und mehr ausgeben, also konsumieren, um die Nachfrage zu stützen. Dazu ist Politikern nahezu jedes Mittel recht: Das Instrumentarium reicht von der Senkung der Leitzinsen gegen Null, um Kredite so billig wie möglich zu machen, über die Einführung von Mindestlöhnen bis zur Erhöhung des Kindergelds, nicht zu vergessen das unselige Konjunkturpaket II. Leider ist nichts langlebiger als der, nur auf den ersten Blick einleuchtende Konsum-Mythos, der sich aber tatsächlich bei näherer Betrachtung als gefährlicher Irrglaube erweist:

Wenn die Ansicht zutreffen würde, eine Belebung des Konsums (von den Gewerkschaften auch gerne Belebung der „Binnennachfrage“ genannt) könnte einen wirtschaftlichen Aufschwung bewirken, müssten wir alle dadurch reicher werden, indem wir möglichst viel konsumieren, also unser Geld ausgeben, statt zu sparen. Wie immer bei volkswirtschaftlichen Mythen, von denen viele auf John Maynard Keynes zurückgehen, der schon zu Lebzeiten erschreckend eindeutig widerlegt wurde, fehlt eine umfassende Betrachtung aller Auswirkungen, die durch eine Ausgabensteigerung der Öffentlichen Hand und der Privathaushalte einhergehen. Henry Hazlitt, der 1993 verstorbene Wirtschaftsjournalist und langjährige Weggefährte Ludwig von Mises’ sprach in seinem Buch „Economics in One Lesson“ in diesem Zusammenhang von einem typischen Fehler, der darin liegt, die Folgen einer Maßnahme nicht nur für eine, sondern für alle Gruppen, also die gesamte Volkswirtschaft zu bedenken.

Beruhen staatliche Mehrausgaben zur Belebung der Nachfrage auf Steuererhöhungen, geht es nur um eine Umverteilung von Kapital. Wie sagte schon Ludwig Erhard: „Jede Mehrausgabe des Staates beruht auf einem Verzicht seiner Bürger.“ Die Mittel, mit denen die privaten Haushalte oder Unternehmen konsumiert, gespart oder investiert hätten, werden an den Staat weitergereicht, der dann für eine Umverteilung sorgt, meist von den vermeintlich Reichen an die vermeintlich Armen und von den Kinderlosen zu den Kinderreichen. Ludwig Erhard bezeichnete diese Politik als „wirklich grotesken Zustand, dass wir zunächst alle Steuern zahlen und dann alle anstehen, um schließlich vom Staat (…) unsere eigenen Mittel zurückzuerhalten.“ Tatsächlich zeigt diese Politik nur einseitige Wirkungen: Sie führt bei den besteuerten Einkommensempfängern, Unternehmen oder Vermögensbesitzern zur Reduzierung der Gewinne oder Vermögen und minimiert auf diese Weise den Leistungswillen. Zusätzliche Arbeitsplätze werden nicht geschaffen, stattdessen werden Betriebe aufgegeben oder ins Ausland verlagert. Während die Verluste bei den Besteuerten groß sind, ist der Zugewinn bei den „Beschenkten“ pro Kopf äußerst gering und wird dort kaum wahrgenommen oder durch Arbeitsplatzverluste kompensiert. Im Endeffekt verliert die gesamte Volkswirtschaft, am schlimmsten sind aber gerade die „sozial Schwachen“ betroffen. Dabei sind die „Umverteilungsverluste“, Fehlallokationen und Missbrauchstatbestände, die jeder staatlichen Interventionspolitik innewohnt noch gar nicht berücksichtigt. Der Ankurbelungsmythos erweist sich also als Taschenspielertrick, mit dem etwas von der linken in die rechte Tasche gezaubert wird.

Woher nimmt der Staat das Geld für Mehrausgaben zur Konsumbelebung, wenn er Steuern nicht erhöhen will? Die Methoden hierfür wurden zwischenzeitlich verfeinert. Es wird zwischenzeitlich nicht einfach nur mehr Papiergeld gedruckt. Die Regierungen schaffen mit einem Federstrich Geld, indem sie z.B. die Kreditmenge erhöhen. Nichts anderes geschieht wenn Zentralbanken Leitzinsen unterhalb des tatsächlichen Marktzinses senken oder der Staat Ausgaben, z.B. für Konjunkturmaßnahmen zur Belebung der Bauindustrie mit Hilfe von neuen Kreditaufnahmen finanziert. Wenn die Geldmenge erhöht wird, egal ob durch Buch- oder Realgeldausweitung, vermindert sich automatisch die Kaufkraft einer Geldeinheit, wodurch die Preise steigen. Das teuflische dieser inflationsgestützten „Konjunkturbelebung“ ist die Tatsache, dass das neue Geld nicht gleichmäßig verteilt wird, sondern zunächst in die staatlich bevorzugten Branchen, wie z.B. die Bauindustrie fließt. Wenn die Geldströme auch anderswo ankommen ist es meist zu spät, denn die Preise wurden bereits kräftig erhöht.

Echte Werte wurden auch durch diese Konsumausweitung natürlich nicht geschaffen. Echte Kapitalbildung ist nur durch Konsumzurückhaltung, also Sparen möglich, was auch wiederum zu einem Rückgang des natürlichen Marktzinses und zur Erleichterung von kreditfinanzierten Investitionen führt, weil Kreditzinsen durch das Sparen sinken. Auch Arbeitslosigkeit die in der Krise durch vermehrte Firmeninsolvenzen entstanden ist, lässt sich nur durch Bildung neuer, echter Kapitalstöcke überwinden. Ein Konsumrückgang wäre also unverzichtbar um reale Voraussetzungen für eine Gesundung nach der Krise zu sorgen. Ein Gleichgewicht würde sich von alleine wieder einstellen: Das nicht konsumierte Geld würde gespart und so auf natürliche Weise eine Senkung der Kreditzinsen zur Erleichterung von Investitionen erlauben. Stattdessen kommt es langfristig aber zu einer Stagflation, denn die Geldmengenausweitung soll nach Ansicht der keynesianischen Makroökonomen auch Lohnerhöhungen erlauben, aber gleichzeitig die Verkaufspreise der Unternehmen ansteigen lassen, um wiederum eine gewinnbringende Wiedereingliederung der Arbeitslosen ermöglichen zu können. Die Gewerkschaften lassen sich aber nicht überlisten, sondern fordern zusätzlich zu „normalen“ Lohnerhöhungen natürlich regelmäßig einen Kaufkraftausgleich mit ein. Das Ergebnis dieser Politik ist Stagflation, also hohe Arbeitslosigkeit gepaart mit hoher Inflation, ein Phänomen das wir verhängnisvoll vor allem in Deutschland und Frankreich, beides Länder mit sehr mächtigen Gewerkschaften, die letzten 30 Jahre erleben durften. Eine wahrhaft unsoziale Politik mit verheerenden Konsequenzen vor allem für die ärmeren Bevölkerungsschichten.