Freitag, 16. Januar 2015

11 Argumente für den Neubau eines profitauglichen Eisstadions


Fakten statt politischer Desinformation

  1. Schon sehr früh nachdem die baulichen Mängel des alten Stadions bekannt wurden, beauftragte der Stadtrat im August 2013 die Stadtverwaltung mit der Untersuchung von fünf unterschiedlichen Varianten zur möglichen Generalsanierung oder dem Neubau des Eisstadions sowie mit der Darstellung möglicher Finanzierungen.
  2. Am 1. Juli 2014 entschied sich der Stadtrat aus Zeit- und Kostengründen einstimmig gegen eine Sanierung des alten Stadions. Mit nur einer Gegenstimme traf der Stadtrat die Grundsatzentscheidung zur Errichtung eines profitauglichen Neubaus. Die Abstimmung war so deutlich, weil alle Beteiligten wussten, dass ein nicht-profitaugliches Stadion nur wenige Millionen Euro billiger gekommen wäre. Wie unter Punkt 3 dargelegt, hätte man vielleicht einen weiteren Rang einsparen können, aber auch ein Stadion mit 2.000 Zuschauerplätzen würde immer noch rund 15 Millionen kosten. Ein so hoher Betrag lohnt sich aber nicht allein für den Breitensport oder den öffentlichen Eislauf.
  3. Die Stadtverwaltung hat für einen Neubau detaillierte Kostenuntersuchungen angestellt und dem Stadtrat am 1. Juli 2014 präsentiert. Dazu wurden bestehende Eishallen in Weißwasser, Wolfsburg, Bietigheim und Bremerhaven untersucht. Das Stadion in Weißwasser wurde erst 2013 fertiggestellt und eignete sich daher am besten für die Darstellung der Kosten und der Größe. Die Stadtverwaltung hat demgemäß mit einem mit Kostenfaktor von 328,00 Euro pro Kubikmeter umbauter Raum (55.000 Kubikmeter) kalkuliert und bei dieser Größe 600 Sitzplätze, 2500 Stehplätze und zusätzlich 400 Plätze auf den Tribünen, also insgesamt 3500 Plätze dargestellt. Jeder weitere Sitz- oder Stehplatz zieht den Einbau zusätzlicher Ränge nach sich. Jeder zusätzliche Rang kostet etwa 2,3 Mio. Euro (= 6500 Kubikmeter mal 328,00 Euro), z.B. wenn 4.000 anstatt 3.500 Zuschauer untergebracht werden sollen.
  4. Ende Juli 2014 konnte der Stadtrat auch die Standortfrage klären, nachdem das Bürgerbegehren der Freie Wähler, der SPD, der Grünen und der FDP zur Errichtung eines neuen Stadtviertels zwischen Forettle und Bahnhof mit überwältigender Mehrheit abgelehnt worden war. Hätte das Bürgerbegehren dieser Parteien Erfolg gehabt, hätten man für rund 7 Millionen Euro das Parkstadion verlegen müssen. Darüber hinaus wäre der einzig kostengünstige Standort in Nähe des Bahnhofs und des alten Stadions (Trainingsplätze neben dem Parkstadion) verbaut worden, so dass man zunächst auf der „grünen Wiese“ in Kaufbeuren Nord Parkplätze für rund 2,25 Millionen Euro hätte errichten müssen. Hätte dieses Bürgerbegehren der Freien Wähler, der SPD, der Grünen und der FDP Erfolg gehabt, wären Zusatzkosten von rund 10 Millionen Euro angefallen, ohne dafür einen Mehrwert zu erhalten.
  5. Klar ist auch, dass die Zeit drängt und das neue Stadion spätestens im Herbst 2017 fertiggestellt sein muss, um Kosten für Interimsmaßnahmen zu vermeiden, denn dann läuft die Genehmigung zum Betrieb des alten Stadions wegen der vorhandenen baulichen Mängel aus.
  6. Ein sogenanntes PPP-Modell (Kooperation der Stadt mit einem Investor zur Errichtung des Stadions) wurde natürlich untersucht und dem Stadtrat am 1. Juli detailliert dargestellt. Bei einer solchen Lösung baut ein privater Investor das Eisstadion, die Kommune mietet das Stadion anschließend für mehrere Jahrzehnte verbindlich an. Die Kosten für die Errichtung lässt sich der Investor (natürlich mit Gewinn) bezahlen. Der Stadtrat hatte sich dann am 1. Juli 2014 einstimmig, also auch mit den Stimmen von Bernhard Pohl und Johannes Espermüller, gegen ein solches Verfahren ausgesprochen, weil solche Modelle europaweit ausgeschrieben werden müssen und im Voraus bis hin zur Zahl der Steckdosen und zur Farbe der Lichtschalter alles vollständig beschrieben sein muss. Außerdem wären die Kosten für die Stadt weitaus höher gewesen, weil eine Kommune keinen Gewinn mit einem solchen Projekt erwirtschaften muss und grundsätzlich niedrigere Kreditzinsen bezahlt.
  7. Die Stadtverwaltung hat am 1. Juli auch ein Berechnungsmodell, mit Baukosten konservativ geschätzten Baukosten von 20,9 Millionen Euro ermittelt und sodann eine durchschnittliche Jahresbelastung für den städtischen Haushalt errechnet, die folgende Annahmen enthält: Jährliche Einnahmen im Stadionbetrieb: 120.000 Euro, jährliche Ausgaben: 1.783.000 Euro, Verlust: 1.663.000 Millionen Euro. Wenn keine signifikanten Kostenerhöhungen, Unberechenbares, Altlasten oder eine Rücknahme der Vorsteuerabzugsmöglichkeit hinzukommen, beträgt die jährliche Belastung für den Haushalt im vorgesehenen Finanzplanungszeitraum von 20 Jahren rund 1,5 Millionen Euro inklusive Zins und Tilgung für den Kommunalkredit zur Errichtung des Eisstadions.
  8. Die Errichtung des Stadions durch ein eigens gegründetes Kommunalunternehmen stellt keinen Haushaltstrick dar, um Schulden zu verstecken, sondern erfolgte auf Empfehlung einer Wirtschaftsprüfer- und Steuerkanzlei, um die Möglichkeit zum Vorsteuerabzug zu erhalten und dadurch bei den Baukosten die Mehrwertsteuer einsparen zu können sowie gleichzeitig bestmögliche Zinsen aus günstigen Kommunalkrediten zu erhalten.
  9. Der im Stadtrat am 29. Juli 2014 mit einer Mehrheit von etwa ¾ der abgegebenen Stimmen beschlossene Neubau ist keine Multifunktionsarena, wie sie Teile der Freien Wähler wünschten. Die Freien Wähler und die SPD sind in der Stadionfrage vollständig gespalten, weil innerhalb dieser Fraktionen die jeweiligen Extrempositionen konträr zueinander vertreten werden. Während Bernhard Pohl eine Multifunktionsarena mit zweiter Eisfläche und einer Kapazität von 6.000 Zuschauern errichten wollte, lehnt sein Fraktionskollege Drexel einen Stadionneubau ab. Ähnliches gilt für die SPD: Während die drei oder vier Stadträte der SPD einen Stadionneubau ablehnen, wünscht die SPD-Stadträtin Ilgenfritz ebenfalls eine Multifunktionsarena, die ganzjährig auch für alle „eisfreien“ Veranstaltungen nutzbar sein soll. Hierfür würden Mehrkosten von rund 12 Millionen Euro entstehen, nämlich etwa 800.000 Euro für die Anlage zur Abdeckung der Eisfläche im Stadion, etwa 1 Million Euro für die Errichtung einer zweiten Eisfläche, die ja bei ständiger multifunktionaler Nutzung und zur Aufrechterhaltung des Trainingsbetriebs ja nötig wäre und rund 11,25 Millionen Euro für die Vergrößerung auf 6.000 Zuschauer.
  10. Die Stadt Kaufbeuren bleibt finanziell auch bei Errichtung des neuen Eisstadion (wie unter den Punkten 3 und 7 dargestellt) weiterhin leistungsfähig: In den kommenden Jahren benötigen wir zur Finanzierung unserer geplanten, anderweitigen Bauinvestitionen keine neuen Schulden. Die aktuelle Finanzplanung sieht Zuführung des Verwaltungshaushalts zum Vermögenshaushalt in den Jahren 2015 von 3.348.100 Euro, 2016:  1.945.800 Euro und 2017: 306.700 Euro vor. Im Haushalt 2015 werden wir eine Erhöhung bei den Einnahmen aus der Gewerbe- und Einkommenssteuer sowie bei den Schlüsselzuweisungen verzeichnen können.
  11. Wer heute beklagt, dass die Stadt Geld für ein Profieisstadion ausgibt, muss bedenken, dass diese Entscheidung schon bei Errichtung des alten Eisstadions vor fast 50 Jahren angelegt war, denn der Vertrag mit dem ESVK sah damals vor, dass dieses Stadion eines Tages an die Stadt fällt. Dieser sogenannte Heimfall ist zwischenzeitlich eingetreten und das alte Eisstadion gehört der Stadt. Darüber hinaus hatte die Stadt in den vergangenen Jahren regelmäßig im Durchschnitt etwa 200.000 Euro für Betrieb und Unterhalt des Stadions aufgewandt als Zuschüsse an den ESVK, als das Stadion noch dem ESVK gehört. Darunter ein Betrag in Höhe von jährlich 140.000 Euro als Zuschuss an den ESVK, damit dieser das Stadion für den öffentlichen Lauf zur Verfügung stellt. Hinzu kamen noch weitere jährliche Investitionszuschüsse zwischen EUR 20.000,00 bis EUR 100.000 pro Jahr, z.B. für die Erneuerung der Toiletten oder Umkleiden etc.. 


1 Kommentar:

  1. Ich hoffe sehr das es zu einer zukunfstfähigen Lösung für den ESVK kommt.

    Ich möchte hier keine esoterisch-hypothetische Diskussion führen, dennoch gibt es nebst dem monetären Sein und Wesen auch ein emotional - soziales Dasein.
    Eine Leistung in diesem Bereich bei einer weiteren hypothetischen Bestandszeit von 40 Jahren rechnet Ihnen niemand auf Heller nd Pfennig gegen.

    Sehr viele Menschen stecken Herzblut und Engagement in Ehrenamt und Jugendarbeit, sowie Emotion in das sportliche Abschneiden.

    Über Menschen wie zuletzt Alexander Sulzer ist der Name Kaufbeurens bis nach Nashville, Miami, Vancouver und Buffalo getragen worden.

    Inwiefern sich diese Umstände auch positiv im finanziellen Sinn für die Stadt Kaufbeuren messen lassen können sei dahingestellt. Das sie einen Mehrwehrt bringen ist jedoch keine Frage.

    Bundesweite Fanaktionen aus der Eishockeyszene zu Gunsten des ESVK Fortbestand zeigen den Bekanntheitsgrad und die Wichtigkeit für die Sportart.

    Ich glaube nicht, das ohne Kaufbeuren die olympische Bronzemedaille im Eishockeyturnier 1976 möglich gewesen wäre.

    Vor einem eventullen negativen Entscheid zu Ungunsten des ESVK zittert die ganze Eishockeygemeinde Deutschlands. Wenn man Eishockey als Randsportart bezeichnen möchte, gebe ich zu bedenken, das diese Randsportart in Deutschland mehr Anhänger hat, als so mancher Staat in Europa Einwohner. Mit Sicherheit ist de Fussball meilenweit enteilt, aber darum geht es ja hier jetzt auch nicht.

    Dennoch da der Durchschnittsdeutsche nur noch in Fusballdimensionen denken kann (wie man auch der Radiowerbug entnehmen kann, :"unsere Verkaufsfläche ist grösser als zwei Fussballfelder"), wäre ein Ende des ESVK vergleichbar mit dem Ende des VfB Stuttgart für die Nachwuchsarbeit in Deutschland.

    Sicher müsste der DEB sich meiner Meinung hier deutlich mehr politisch einbringen und vielleicht den Standort mehr unterstützen. Zuletzt las ich einen offenen Brief des DEB Präsidenten zum Thema Fortbestand der Eishalle in Hamm/Westf., einem vergleichbar unbedeutenden Standort!mvon DEB Seite hab ich zum Thema Kaufbeuren noch überhaupt nichts gehört.

    Meiner Meinung nach, sollte man nochmals über die Bücher und eine Lösung finden, die:
    1. von privater Seite (Sponsorenpool des ESVK) finanziell unterstützt wird
    2. nochmals Möglichkeiten finanzielle Unterstützung durch Seite des Freistaates auslotet (vielleicht im Zusammenhang mit Verwendung erneuerbarer Energie im Stadion)
    3. Eltern und Fans sich an Renovationsarbeiten finanziell oder mit Arbeitsstunden beteiligt
    4. Sanierung vor Totalneubau bedeutet, und
    5. den DEB einbezieht, der den Standort vielleicht zu einem Förderzentrum des DEB ernennt. Immerhin zahlt die DEL ca. 700.000 € per ano an die Nachwuchsförderung

    Freundliche Grüsse

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